Mit welcher Gewächshausheizung wachsen Pflanzen auch im Winter?
Tomaten, Salat und Kräuter frisch aus dem eigenen Garten – immer mehr Menschen wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Laut einer Studie der Hochschule Geisenheim University bauen bereits rund die Hälfte der Deutschen ihr Gemüse selbst an, im Garten oder auf dem Balkon. Doch sobald der Winter kommt, stellt sich die Frage: Wie wachsen Pflanzen und bleiben warm, wenn es draußen gefriert? Die Antwort liegt auf der Hand: Im Gewächshaus! Ob auch eine Gewächshausheizung erforderlich ist, entscheiden die Pflanzen, die darin gedeihen sollen. Welche Heizung am besten zum jeweiligen Gewächshaus passt und wie sich ein Gewächshaus nachhaltig beheizen lässt, hängt allerdings von vielen technischen Faktoren ab. Mit diesen Tipps findest Du die passende Heizung für Dein Gewächshaus.
Wann brauche ich ein Gewächshaus mit Heizung?

In einem beheizten Gartenhaus können Pflanzen schon im Winter vorgezogen werden. Das Einpflanzen der Setzlinge im Frühling ist ein echtes Erlebnis.
Wer für seine Pflanzen nur ein geschütztes Plätzchen im Winter benötigt, für den reicht in der Regel ein Kaltgewächshaus aus. So werden Gewächshäuser ohne Heizung bezeichnet. Weil diese aber nicht frostsicher sind, sollten darin nur Gewächse überwintern, die auch leichte Minustemperaturen vertragen können.
Wer sein Gemüse lieber aus dem Garten holt statt aus dem Supermarkt, kommt an einem Gewächshaus mit Heizung kaum vorbei. Bei Temperaturen zwischen 12 und 18 °C, spricht der Experte von „temperierten Häusern“. Darin können Gemüse- und Obstsorten vorgezogen oder Blumen gezüchtet werden.
Freunde exotischer Blumen und Früchte benötigen in ihrem Gewächshaus das ganze Jahr über 18 °C und mehr. Beheizte Gewächshäuser auf diesem Temperaturniveau sind „Warmhäuser“. Sie bieten ein ideales Klima für Orchideen, Kakteen, Avocados, Ananas, Mangos oder sogar Kakaobohnen.
Welche Gewächshäuser können beheizt werden?
Für das Heizen von Gewächshäusern gelten die gleichen Prinzipien wie für Eigenheime: Generell kann jedes Gewächshaus beheizt werden. Aber je nach Bauart ist der Energiebedarf erheblich – und damit nicht ökologisch. Gewächshäuser aus einem Gestell mit Folie sind für die Beheizung ungeeignet. Selbst durch Luftpolsterfolien geht viel Wärme verloren. Auch einfaches Floatglas hat schlechte Dämmwerte. Die wenigste Heizenergie geht in Gewächshäusern mit doppelwandigen Kunststoffplatten verloren (siehe Tabelle).
Um die Heizenergie für das eigene Gewächshaus zu berechnen, muss der U-Wert ermittelt werden. Der gibt die isolierende Qualität der Außenflächen an. Je geringer der U-Wert, umso besser also die dämmende Wirkung. Hier die U-Werte einiger typischer Baumaterialien für privat genutzte Gewächshäuser:
| Lichtdurchlässiges Material für Gewächshäuser | U-Wert (W/m²K) |
|---|---|
| PE-Folie, einfach | 7,0 |
| PVC-Folie, einfach | 6,1 |
| PE-Luftpolsterfolie | 5,4 |
| Floatglas, einfach | 6 |
| Floatglas, Isolierglas | 3 |
| Polycarbonat-Stegdoppelplatten, 6 mm | 3,6 |
| Polycarbonatplatten, X-Struktur, 16 mm | 1,8 |
Diese Angaben dienen der Orientierung. Je nach Hersteller und Produktspezifikation können die U-Werte variieren. (Quelle: Prof. Dr. Hans-Jürgen Tantau, Landtechnik 68(1), 2013)
Welche nachhaltigen Gewächshausheizungen gibt es?
Wer sein Gewächshaus heizen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Heizsysteme lassen sich vor allem nach ihrem Energieträger unterscheiden. Je nach Größe, Nutzung und Isolierung bieten sich unterschiedliche Lösungen an:
- Wärmepumpe mit Geothermie
Gerade bei einem über das gesamte Jahr hinweg betriebenen Anlehngewächshaus, das direkt ans Wohnhaus grenzt, kann der Anschluss an eine bestehende Wärmepumpe über einen zusätzlichen Heizkreis sinnvoll sein. Damit lässt sich das Gewächshaus mit Geothermie nachhaltig und nahezu emissionsfrei beheizen. - Elektroheizung mit Solarstrom (Photovoltaik)
Ob als klassische elektrische Gewächshausheizung, Heizlüfter oder Heizkabel umgesetzt: In Kombination mit einem Thermostat arbeitet die elektrische Gewächshausheizung effizient und emissionsfrei, solange der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. - Holz- oder Pelletheizung – natürlich, aber wartungsintensiv
Eine Pellet- oder Holzheizung eignet sich für größere, freistehende Gewächshäuser.
Voraussetzung ist allerdings ein Abgasabzug, ausreichend Platz für Lagerung des Holzes oder der Pellets und teilweise ein Stromanschluss.
Was ist die beste Gewächshausheizung?
Die „beste“ Lösung hängt von Standort, Pflanzenart und Nutzungsdauer ab. Soll z. B. ein Kaltgewächshaus mit Frostwächter betrieben werden, ein temperiertes Gewächshaus mit Dauertemperaturen zwischen 12 und 18 °C oder ein Warmhaus mit Dauertemperaturen über 18 °C? Und: Wie tief sinken die Außentemperaturen im Winter? Außerdem: Welche Wärmeverluste hat das Gewächshaus (U-Wert)? Viele Anbieter von vorgefertigten Gewächshäusern geben für jedes Modell den U-Wert, der von der Größe, dem Baumaterial und der Konstruktion abhängt, mit an.
Wie viel kostet ein beheiztes Gewächshaus?
Dies hängt von der Wahl der Gewächshausheizung, der Größe des Gewächshauses, dessen U-Wert und anderen Faktoren wie der Außentemperatur ab.
Eine der kostengünstigsten Heizungen für Gewächshäuser ist der Anschluss an die bestehende Heizung im Haus, zum Beispiel über einen zusätzlichen Heizkreis. Das setzt jedoch voraus, dass die Entfernung zum Wohnhaus nicht zu groß ist. Der Heizkreis im Gewächshaus kann aus Kunststoffrohren bestehen, die im Boden verlegt sind. Wird die Heizenergie für das Wohnhaus mit einer Wärmepumpe gewonnen, ist diese Variante nicht nur sehr ökologisch, sondern verbessert auch die Effizienz der Wärmepumpe. Die Laufzeit der Wärmepumpe steigt, weil nachts im Haus die Energieabnahme sinkt, während im Gewächshaus der Wärmebedarf steigt.
Bei reinen Gewächshausheizungen lassen sich in Abhängigkeit der oben genannten Kriterien die Vor- und Nachteile grob so einteilen:
Ist die Gewächshausheizung ein Fall für den Heizungsfachmann?
„Sich an Blumen zu ruinieren, ist die nobelste Art des Ruins“, sagte einst der Literat Ernst Jünger (1895 bis 1998). Wer sich für ein Gewächshaus entscheidet und es richtig beheizt, findet jedoch Freude an Blumen und Gemüse, ohne bei den Energiekosten eine böse Überraschung zu erleben. Wichtig ist im Vorfeld die Frage, welche Temperaturen die Pflanzen benötigen und welchen Heizbedarf das für Dein Gewächshaus bedeutet. Ein Heizungsfachmann kann das einfach ausrechnen. Er ist auch der beste Ansprechpartner, ob die Gewächshausheizung an die Wohnhausheizung angeschlossen werden kann. Insbesondere, wenn eine Wärmepumpe installiert ist, macht es ökologisch und wirtschaftlich viel Sinn, diese Option als Erstes zu prüfen.
3 Kommentare
Stellt doch mal eine nachhaltige Lösung vor wie z.B. Misthaufen/Kompost oder Erdwärme, siehe Earth ships.
Lieber Marc!
War froh deinen Kommentar lesen zu können…
Mir brannte noch viel mehr als das auf der Zunge!
Will versuchen ein Datum zum Artikel zu finden.
Bald legen wir noch Pipeline’s in Gewächshauser.?! Denkfehler.
Gewächshauser können einfach auch gleichzeitig Kraftwerke sein.
– Für den selben lokalen Umkreis.
Hallo Holobiont,
vielen Dank für Deine Nachricht und Dein Interesse an dem Artikel. Dieser wurde im Mai 2019 veröffentlicht.
Liebe Grüße
Michelle vom 21grad Team